Geschichte des Glases – Teil 2: Mittelalter

Im Mittelalter wurde Glas entweder mit der Zylinder- oder der Mondtechnik hergestellt. Glasfenster wurden zunächst ausschließlich für Kirchen und Klöster hergestellt. Glasgefäße spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Glasherstellung der Germanen

Obwohl die bedeutenden Glashütten bei Trier und Köln den Untergang des Römischen Reichs nicht überlebten, wurde von den Germanen auch nach dem Rückzug der Römer weiterhin Glas hergestellt.

Dieses schloss nahtlos an die bereits vorher germanisierte Formensprache der Spätantike an.

 

Mittelalterliche Glashütten

Ab dem 9. Jahrhundert blühte das Glashüttenwesen nördlich der Alpen wieder auf. Es war zunächst eine Domäne großer Abteien.

Ausschlaggebend dafür war der große Bedarf an Fensterglas, der sich aus der wachsenden Zahl von Kirchen ergab.

Daneben wurden auch Gefäße, Becher, Krüge und Flaschen erzeugt. Deren Herstellung spielte allerdings eine untergeordnete Rolle.

Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Glasherstellung von weltlichen Handwerkern übernommen.

Da für die Herstellung von Glas große Mengen von pflanzlicher Asche und Holz bzw. Holzkohle zum Befeuern der Öfen erforderlich waren, wurden Glashütten vor allem in waldreichen Gegenden errichtet.

Mittelalterliche Hüttengläser waren wegen des Gehalts an Eisenverbindungen von grüner oder brauner Farbe, infolge unvermeidlicher Verunreinigungen trübe und mit Luftblasen versetzt.

 

 

Fensterglasherstellung im Mittelalter

Anfangs wurde im Mittelalter noch die römische Technik verwendet, bei der der Glasfluss auf eine sandbestreute Steinplatte gegossen und geglättet wurde. Diese Glasscheiben waren etwa 1 cm dick und von bläulich-grüner Färbung. Sie ließen wenig Licht durch.

Die daraus weiterentwickelte Technik war die Zylindertechnik.

Dafür wurde ein Posten zähflüssiger Glasmasse zunächst mit der Glasmacherpfeife zu einem kugelförmigen Hohlkörper geblasen. Dieser wurde anschließend durch Blasen, Schwenken und Formen zu einem dünnwandigen Zylinder geformt.

Die Zylindertechnik wurde ab dem 14. Jahrhundert durch das Mondglasverfahren ergänzt.

Dabei wird bei einem mit der Glasmacherpfeife geblasener Hohlkörper an der gegenüberliegenden Seite ein Hefteisen angesetzt. Die Glasmacherpfeife wird abgesprengt, wodurch eine Öffnung entsteht, die aufgeweitet wird. Durch Schleudern wird die Schale zu einer ebenen, glatten, runden Scheibe geformt.

Die Oberflächen sind ebener und reiner als jene von durch Zylindertechnik hergestellten Scheiben.

Das Mittelstück mit der Anschlussstelle des Schleuderstabs heißt Butze. Davon leitet sich der Name Butzenscheibe ab.

Diese Scheiben wurden durch Bleiruten reihenweise oder in geometrischen Anordnungen zu Fensterverglasungen zusammengesetzt.

 

Glas aus Venedig

Venedig wurde am Ende des Mittelalters führend in der Herstellung von Glasgefäßen und Spiegeln. Das Glas wurde auf der Insel Murano hergestellt. Mitte des 15. Jahrhunderts entdeckte Angelo Barovier, wie Glasentfärbung funktioniert. In der Folge konnte erstmals ungetrübtes, klares Glas hergestellt werden. Es handelte sich dabei um Soda-Kalkglas, das mit Manganoxid entfärbt wurde. Dieses venezianische Glas erlangte Weltruhm.